Da von Heiko der Wusch besteht den Artikel von 1899 zur Angelflinte hier ins Forum zu setzen, erlaube ich mir, einen gesonderten Thread dazu.
Wunsch entstand beim Thread: „Die spinnen, die Amis“.
Hier der Artikel und noch einmal der Vollständigkeitshalber die beiden Bilder dazu.
Zum Fischen mit der gewöhnlichen Angelrute, das bei alt und jung beliebt ist, gehört nicht bloß eine besondere Geduld, sondern auch ein nicht unbeträchtliches Maß an Geschicklichkeit, die nur durch unablässig Uebung erworben wird.
So kommt es denn, daß oft am gleichen Platze der Laie nur geringen Fang erzielt, während ein gewandter, mit allen Künsten des Fischens Vertrauter binnen wenigen Stunden gute Beute macht.
Auch das Fischen will gelernt sein. Der Mißerfolg liegt häufig weniger im mehr oder minder guten Fischgerät als in der richtigen Beobachtung der Tageszeit, der Witterung, des passenden Köders, der Wurfsicherheit und in noch sonstigen Umständen, die genau beobachtet sein sollen.
Seit Menschengedenken wird das Fischen mit dem Netze und der Angel betrieben, ein anderes Fischgerät kannte man bisher nicht oder es fiel, wenn schon hie und da einmal auftauchte, als untauglich wieder der Vergessenheit anheim.
Nun ist auch in der Angelflinte, erfunden von Heinrich Donnet, eine Neuerung eingetreten, die, wenn sie sich bewährt, in absehbarer Zeit die übliche Angelrute verdrängen dürfte.
Dieses neue Gerät hat das Aussehen einer Vogelflinte, besteht nebst den Schafte aus einem Eisenrohr, aus welchen mittels eines einfachen Sperrhakens ein dünner, mit drei federnden Spitzen versehener Wurfspeer von 70 cm Länge auf 6-7m Entfernung geschleudert werden kann. Da das Projektil am Korne durch eine lange Schnur befestigt ist, kann es nach dem Schusse mit oder ohne Fang zurückgezogen werden.
Die Vorteile dieses Geschosses sollen in der leichteren Handhabung, großer Tragfähigkeit und Treffsicherheit und auch darin bestehen, daß die Arme nicht so ermüden, wie dies bei dem Fischen mit der Angelrute vorkommt, daß also auch ein längeres Ausruhen möglich ist. Ein Haupterfordernis kann auch bei dem Fischen mit der Angelflinte nicht umgangen werden; es besteht darin, daß der Fischer ein guter Schütze sein muß, der die Strahlenbrechung des Wassers in Berechnung zu ziehen weiß, um eines guten Fanges sicher zu sein.
Quelle: „Da neue Universum“ 20.Jahrgang, 1899.




