Da Norwegen Teil des Europäischen Wirtschaftsraums (EWR) ist, unterliegen alle seit 1998 in Norwegen verkauften Freizeitboote der Pflicht zur CE-Zertifizierung. Diese Zertifizierung teilt Boote in feste Designkategorien (A, B, C, D) ein, welche direkt aussagen, für welche Windstärken und Wellenhöhen das Boot konstruiert wurde.
In der Praxis sieht die Situation bei norwegischen Mietbooten wie folgt aus:
1. Die offizielle Kennzeichnung (CE-Plakette)
Jedes moderne Angelboot verfügt über eine fest montierte CE-Plakette (meist aus Metall oder als wetterfester Aufkleber im Cockpit oder am Heck). Auf dieser Plakette ist eine der folgenden Kategorien aufgeführt:
- Kategorie C („Küstennahe Gewässer“): Dies ist der absolute Standard für die typischen 16 bis 22 Fuß langen Aluminium- oder Kunststoff-Angelboote in Norwegen. Sie sind ausgelegt für Fahrten in küstennahen Gewässern, großen Fjorden und Flussmündungen bei Windstärken bis einschließlich 6 Beaufort und signifikanten Wellenhöhen bis zu 2 Metern.
- Kategorie D („Geschützte Gewässer“): Gilt oft für kleinere, offene Boote oder reine Binnengewässer-Boote. Geeignet für Windstärken bis einschließlich 4 Beaufort und Wellenhöhen bis zu 0,3 Metern (gelegentlich 0,5 Metern). Für das offene Meer sind sie nicht zugelassen.
- Kategorie B („Außerhalb von Küstengewässern“): Findet man eher bei größeren Kajütbooten. Ausgelegt für Windstärken bis einschließlich 8 Beaufort und Wellenhöhen bis zu 4 Metern. [1]
Zusätzlich zeigt die Plakette an, wie viele Personen maximal an Bord dürfen und wie hoch das maximale Zuladungsgewicht ist.
2. Das Problem mit der privaten Vermietung („von allen möglichen Menschen“)
Während gewerbliche registrierte Angelcamps oft moderne, gut gewartete Boote der Kategorie C zur Verfügung stellen, sieht es bei rein privaten Vermietern (z. B. über private Ferienhäuser) manchmal anders aus:
- Alte Boote: Boote, die vor 1998 gebaut wurden, besitzen oft keine CE-Kennzeichnung. Hier gibt es keine standardisierte Angabe zu den zulässigen Seeverhältnissen.
- Fehlende Aufklärung: Private Vermieter haften zwar nach dem Produktsicherheitsrecht dafür, dass ihre Dienstleistung keine Gefahr darstellt, aber sie kontrollieren selten, ob Angeltouristen die Reviergrenzen überschreiten. Viele Unfälle passieren, weil Urlauber mit kleinen, offenen Kategorie-C-Booten bei gutem Wetter auf das offene Meer fahren und von plötzlichen Wetterwechseln überrascht werden.
Was Sie vor dem Ablegen prüfen sollten
Aufgrund schwerer Bootsunglücke prüft die norwegische Regierung aktuell strengere Mindeststandards für Bootsvermieter. Fragen Sie im eigenen Interesse vor der Ausfahrt immer nach:
- Wo ist die CE-Plakette am Boot und welche Kategorie ist eingetragen?
- Welche Wetter- und Windgrenzen setzt der Vermieter für dieses spezifische Boot an?
- Gibt es eine Sicherheitseinweisung und eine Seekarte mit eingezeichneten Gefahrenstellen (Untiefen, Strömungen)?



