Moin Leute,
nach den netten, wohltuenden Willkommensgrüßen von Euch, möchte ich etwas in eigener Sache sagen.
Viele von Euch wissen, daß ich vor ca. 1 ½ Jahren schlagartig nicht mehr im Forum zu sehen war.
Ich denke es ist Zeit, daß ich etwas dazu schreibe.
Vor 1 ½ Jahren bat mich mein Freund völlig unverhofft, ihn in den letzten Monaten vor seinem Tod zu begleiten.
Da ist eine Welt für mich zusammengebrochen. Vor 20 Jahren haben wir gemeinsam in einem
5 Jahre währendem Kampf seine Krebskrankheit besiegt. Diese Zeit war für uns beide sehr hart,
hat uns aber zusammengeschweißt. Umso mehr hat es mich umgehauen, daß die Krankheit
nach so langer Zeit wieder ausgebrochen war. Mein Freund hatte dann einfach keine Kraft,
die mörderische Tortour noch einmal durchzustehen. Er bat mich also, dabei zu helfen,
daß er in Würde sterben kann. Alles andere war für mich plötzlich nebensächlich.
Eine Begebenheit kurz darauf hat mir dann den Rest gegeben. Ich hatte meinen Freund überreden können,
doch noch einmal eine Therapie zu machen. Bei meinen Besuchen im Krankenhaus,
habe ich stets meine Gitarre mitgenommen, weil wir zusammen Musik machten.
Bei diesen Besuchen mußte ich immer durch die Kinderkrebsstation. Irgendwann sprach mich
auf dem Rückweg zum Ausgang einer kleiner Junge an und fragte mich, was in dem Kasten wäre,
den ich bei mir trug. Ich sagte „eine Gitarre“. Er fragte, ob ich für die Kinder was spielen würde.
Ich antwortete, „da müssen wir erst die Schwester fragen“. Nachdem der Kleine geklärt hatte,
daß ich in Begleitung einer Schwester für maximal 15 Minuten im Spielzimmer der Station spielen könne,
legten wir los. Wir haben Singspiele gemacht. Kennt Ihr alle. 3 Chinesen mit dem Kontrabaß,
Jetzt fahr’n wir über’n See, mein Hut der hat 3 Ecken. Die Lütten waren völlig aus dem Häuschen.
Nach 15 Minuten mußte ich mich verabschieden und ging auf den Flur. Draussen nahm mich eine
weinende Mutter in den Arm. Sie hat mir gesagt, daß sie ihr Kind seit langem nicht mehr so fröhlich gesehen hat.
Sie hatte ihren Sohn durchs Fenster in der Tür beobachtet.
Das hat mich berührt und bedrückt zugleich. Aus dem Krankenhaus raus, habe ich mich erst mal
auf die Stufen gesetzt und geheult. Was haben diese kleinen Würmer getan, daß sie so früh
im Leben so schwer erkranken ? Ich wurde sehr, sehr nachdenklich. Nachdem ich
dann noch gelesen habe, wie vehement sich im Nachbarforum gestritten wurde, hatte ich endgültig die Nase voll.
Ich brauchte meine Kraft, um mich um meinen Freund zu kümmern. Er ist dann im August des letzten Jahres gestorben.
Kurze Zeit später haben wir dann noch den Freund meiner Nichte verloren. Er starb 19-jährig an Knochenkrebs.
Vorletzten Freitag folgte ihm sein Vater, nicht einmal 50 Jahre alt.
Ich finde, jetzt ist es genug. Irgend jemand will mich prüfen. Ich habe beschlossen, mich nicht
unterkriegen zu lassen. Ich werde meine alten Gewohnheiten wieder aufnehmen und aktiv am
Leben teilnehmen, egal was noch kommt. In Grübeleien und Depression zu verfallen, bringt nichts.
Deshalb habe ich mich wieder bei Euch angemeldet.
Ihr bekommt zwar nicht gleich den guten alten Rollo zurück, aber in absehbarer Zeit bin ich wieder der alte.
So, das mußte ich endlich mal loswerden.
Schöne Grüße an alle !
Rollo
Rollo in eigener Sache
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Sehr bewegende Zeilen, Rollo. Gänsehaut und Kloß im Hals sind bei mir immer noch vorhanden.
Ich wünsche Dir viel Kraft um Vergangenes zu verarbeiten, vor allem auch für Deine Zukunft.
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Jetzt habe ich feuchte Augen, einen mörderischen Kloß im Hals und bin echt gerührt und bewegt!
Meinen absoluten Respekt und Dank für diese Zeilen!
Dir wünsche ich von Herzen alles Gute!

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Alle Achtung, das verdient allen Respekt hier so offen zu schreiben!
Ich denke mal Deine Entscheidung ist richtig und es ist zu verstehen, dass Du diese Zeit auch brauchtest.
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Hallo Rollo,
Vergangenheitsbewältigung gehört irgendwie dazu, um für neues offen zu werden bzw. zu sein.
Du machst das genau richtig...
Gruß
Friedel -
Rollo, schön das Du dich nun auch in der Öffentlichkeit drüber geäusserst hast.
Es waren doch einige Nachfragen zu deiner Person und keiner der Mod´s konnte richtig eine "wahre" Antwort geben.
Drück dir die Daumen und wünsche dir wirklich viel Kraft.....

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Rollo, Danke für diese Worte.
Es gibt zu dieser Situation einen "scheiß Spruch": Lebbe geht weiter.
Wer aber solche Schicksalsschläge schon mal selbst erlebt hat, weiß, dass da auch ´ne Menge Wahrheit drin steckt.
Ich wünsche Dir von ganzem Herzen, dass Du das überstehst - vergessen und begreifen tut man das eh nie.
Ich habe damals als mein Sohn tödlich verunglückte, auch gedacht, das sind ja nur Floskeln. Heute weiß ich, dass das stimmt. Aber vergessen werde ich das dennoch nie.
Ich wünsche Dir alle Kraft der Welt, um drüber weg zu kommen. -
Rollo

Du hast nicht nur Deinem Freund und den Kindern geholfen, nein Du hast auch unser Verständnis und unsere Sinne für die Wichtigen und weniger Wichtigen Dinge im Leben geschärft
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Hei Rollo,
hatte DIch ja schon im anderen Thema willkommen geheißen, aber jetzt, wo ich über Deine schwere Zeit lese, auch hier nochmal umso mehr!
Denk dran: all unsere Lieben halten uns dort oben nur einen feinen Platz für uns selbst bereit, schauen runter zu uns und freuen sich mit.
Schreibt und grüßt Dich aus Berlin
Karsten -
Ich kann nur sagen: RESPEKT!
Wer das für seine Mitmenschen überig hat, der schafft alles. Das mit den kindern finde ich eine sehr feine sache. Hier gibt es ja die "Cliniclowns", die versuchen mit ihre besuchen die kranke kinder doch ein wenig freude zu bringen, ohne etwas dafür zu verlangen. Lachen ist nun mal das beste für ein Mensch. Und vor solche leute kann man nur respekt haben.
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