Als wir ankamen war das offensichtlich.
Allerdings hinterhältig, unberechenbar wie er, der Winter mitunter ist:
„Von dort sendet er fliehend,
nur ohnmächtige Schauer körnigen Eises ...“.
J. W. von Goethe: „Faust“.
Und das hatten wir nun ende der 1. Maiwoche und in der 2. Maiwoche nicht gerade mehr erwartet.
Hier zwei Schnappschüsse, wobei diese recht harmlos aussehen; es war zeitweilig toller. Am 2. Tag musste ich sogar in der Früh das Boot von Eis befreien.
Wieder bestand unser Team aus 7 Personen.
Meine beiden Jungs, deren Freunde (sie kennen sich schon seit ihrer Kindergartenzeit) sowie ich und ein ehemaliger Arbeitskollege von mir. Wir beide kennen uns schon seit 1968.
Die Vorbereitung
Vielleicht kennt der Eine oder Andere diese Situation.
Wenn 7 Angler auf Reisen gehen...
Bis man da unter einen Hut gekommen ist; man glaubt gar nicht was das für Zeit und Nerven kostet.
Im Vorfeld gibt es ja da immer viel zu besprechen.
Es ist wie Weihnachten wenn man sich dann endlich geeinigt hat.
Geeinigt auf:
- den Termin der Reise und
- das Angelrevier.
Nun konnte man an die Umsetzung gehen.
Einer wurde beauftragt den Flug für 4 Personen Frankfurt – Bergen und zurück zu buchen.
Ich wurde beauftragt die Fähre für 3 Personen mit dem Kleinbus zu buchen.
Mein Sohn wurde beauftragt die Buchung der Hütte und der Boote vorzunehmen und den Kleinbus zu ordern.
Es klappte alles wie besprochen und so konnte sich jeder mit seiner Angelausrüstung, oder auf Neudeutsch mit seinen Angel – Equipment beschäftigen.
Die Reise
Irgendwann rückt dann der Tag heran wo es endlich losgeht.
***
Und der war für das Kleinbus – Team der 03.05.2012 in der Früh 1.00 Uhr.
13.00 Uhr legte die Fähre von Hirtshals nach Bergen ab, 12.00 Uhr Check In.
Rund 950 Kilometer waren zu radeln. Die Zeit die wir dafür vorgesehenen hatten entsprach unseren Erfahrungen.
Da war auch eine Rast in Handewitt, kurz vor Flensburg geplant. Uns hat es seit ein paar Jahren der Scandinavienpark angetan.
***
Das Fliegerteam durfte noch einen vollen Tag arbeiten, dh. Hin einen Tag weniger Urlaub und zurück 1 Tag früher bei der Familie. War ja auch so gewollt.
Ihr Flug erfolgte am 04.05.2012 21.10 Uhr ab Frankfurt, dh. ca. gegen 17.00 Uhr ab Erfurt per gemieteten PKW.
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Da sich ja bekanntlicherweise im Flieger wenig ereignet, außer man hat das „Glück“ in Turbulenzen zu geraten, hatte ich mich für das Kleinbusteam entschieden.
Eine Autofahrt ist abwechselungsreicher; ebenso unterhaltsam ist die dazugehörige Schiffsreise.
Die Ankunft und unser Angelrevier
Wir hatten uns ja in Folge wieder für die Insel Sotra entschieden.
Das Revier um Kvernepollen finden wir recht gut.
So gegen 11.00 Uhr waren wir da.
Herzliche Begrüßung, dh. Wiedersehen mit Kåre und seiner netten Frau Kjersti.
Der gebuchte „Leuchtturm“ war bezugsfertig.
So gegen 23.00 Uhr machte sich mein Sohn auf dem Weg zur Airport nach Bergen und holte die 4 Team – Mitglieder ab.
Nun waren wir komplett und das Angelerlebnis konnte seinen Lauf nehmen.
6 erwartungs- und hoffnungsvolle Angeltage hatten wir zur Verfügung.
Erwartungs- und hoffnungsvolle Angeltage
Ein zeitlich determinierter, befristeter Angelurlaub hat seine eigenen Regeln.
Das wird oft von Unbeteiligten missverstanden und erzeugt auch manches Mal deren Kopfschütteln.
Eigentlich hat man nur eine einigermaßen zuverlässig Information.
Das ist der Standort der Fische.
Da hilft uns in aller Regel der ortskundige Guide.
Guide wissen in der Regel welcher Fisch, zu welchem Zeitpunkt, an welchen Stellen steht.
Inzwischen hilft uns da auch noch der technische Fortschritt. GPS Geräte werden ja im zunehmenden Maße Standardausrüstung von Anglern.
Standortwissen zum Fisch ist ja schon mal wichtig und beruhigend, aber das allein macht keinen erfolgreichen Angelurlaub.
Der Erfolg oder Misserfolg einer Angeltour ist da auch abhängig von:
- dem Wetter, insbesondere dem Wind,
- der Beißfreudigkeit der Fische deren Ursache ja auf viele Faktoren zurück zu führen sind und letztendlich auch
- dem Vorhandensein von Schwarmfischen.
Die ersten beiden Tage ging fast nichts.
Der Wind, verbunden mit einen Gemisch aus Schnee, Regen – und Hagelschauer in der Stärke > 5 Bft, zeitweilig um die 8 Bft lies uns da wenig bis gar keine Wahl.
Herausfahren aufs Meer, darüber brauchte man überhaupt nicht nachzudenken.
Selbst in den Fjorden war es schon ein kleines Abenteuer.
Suchte man die geschützten Stellen auf, so erlebte man dann auch noch, dass die Fische keine Lust haben uns eine kleine Freude zu bereiten, uns einen kleinen Gefallen zu tun.
Das ist mitunter dann die Situation, wo man das Angeln in dieser Zeit aufgeben und diese Zeit für andere Dinge nutzen sollte.
Zum Beispiel für Ausflüge und/oder den Besuch von Sehenswürdigkeiten.
Bei starken Wind, Schnee-, Regen- und Hagelschauer kam da aber auch nicht so die richtige Stimmung auf.
Und so machten wir es uns in der Hütte gemütlich.
Zum Beispiel mit ein paar schönen Filmen und einen Video über das Filetieren von Fischen.
Am dritten Tag verbesserte sich etwas die Wetterlage.
Wir konnten aufs Meer und fuhren zu den uns bekannten Fischstellen.
Allerdings waren wir voriges Jahr da einen ganzen Monat später.
Jedenfalls, die erwarteten Lumb’s und Leng’s blieben aus.
Dafür gelang mir der Fang eines für meine Verhältnisse recht stattlichen Dorsches von 4,5 kg. Dieser Dorsch war dann im Team der größte gefangene Dorsch.
Die Wetterlage blieb gemischt und auch die Beißfreudigkeit war nicht umwerfend. Probiert haben wir vieles, hatten aber wenig Erfolg.
Hier passt vielleicht die Aussage: „Die Bienen waren fleißig, aber der Honig blieb aus“.
Am fünften Tag klappte es dann trotzt der Wetterlage.
Mein Sohn und ich, wir Beide fuhren vormittags in den Fjord und hatten Glück.
Wir stießen auf einen Köhlerschwarm. Wie sich zeigte, alle so zwischen 1,5 kg bis 3 kg.
Hier erinnerte ich mich an die Aussage von meinem Wohnungsnachbar.
Ein besessener Süßwasserfisch – Angler.
„In Norwegen in den Fjorden
oder dort auf dem Meer angeln,
dass hat doch mit Angeln wenig bis gar nichts zu tun.“
Na ja sagte ich mir da ich wusste er war noch nie in Norwegen, sicher hat er diese Weisheit von Bekannten, die es aber scheinbar auch nicht besser wissen.
Allerdings, wenn man auf einen Schwarm trifft, dann hat er sicher nicht ganz unrecht.
Schon beim herablassen lässt ein Biss nicht lange auf sich warten.
Angelt man noch zusätzlich zum Pilker mit einem Vorfach an denen 2 – 3 Haken befestigt sind, hat man dann in der Regel an jeden Haken einen Fisch.
Man fühlt da einen Rhythmus bei diesen bums, bums, bums...
Da wiederholt man sehr schnell und gern die Drift und wenn man das Glück hat das der Schwarm noch nicht verschwunden ist, sind die Chancen gut ein paar Fische hintereinander zu landen.
Wettermäßig begann unser letzter Angeltag recht viel versprechend.
Sonnenschein und im Fjord spiegelglattes Wasser.
Schnell gefrühstückt, in die Boote und ab ging’s aufs Meer.
Auch da empfing uns Sonnenschein und der Wind blies so um die 2 – 3 Bft. Also richtiges Angelwetter.
Aber die „Beiß – Un – Freudigkeit“ der Fische (ausgeklammert der zufällig gefundene Schwarm) blieb neben dem etwas recht unfreundlichen Wetter eine konstante Größe unseres Urlaubs.
Obwohl ich sehr bald eine recht passable Dorsch – Dublette (2 kg und 1,5 kg) und 2 Lumb hatte.
Das war’s dann aber auch.
Hier zusammenfassend mein Fangergebnis:
- 6 Dorsche, der schwerste davon 4,5 kg.
- 22 Köhler, der schwerste davon 2,8 kg und
- 2 Lumb, der schwerste 1,5 kg.
Anmerkung: Man braucht nicht nachrechnen, ich bin filemäßig gerade so an das zulässige Gewicht gekommen. Habe sogar die Bauchlappen (Fischsuppe) mitgenommen, wenn sie keine Nematoden hatten.
Die Fangergebnisse meiner beiden Söhne und der anderen Teammitglieder waren ähnlich.
Ein Satz noch zum verpacken der Filets.
Der Hüttenbetreiber stellt den Anglern ein Vakuumiergerät zur Verfügung. Voriges Jahr wussten wir dieses nicht. Für dieses Jahr hatten wir uns dann die richtigen Beutel mitgenommen.
Alles in allen
Es war wieder eine schöne Zeit.
Eine Reise die man nicht so einfach abhakt, die man so einfach konsumiert.
Oder wie Oliver Julius Bierbaum (1865 – 1910) einmal formulierte:
„Man geht freilich nicht in die Fremde,
um sich der Heimat zu entfremden.
Aber einen vernünftigen Sinn hat das Reisen doch nur insofern, als es von der Sehnsucht eingegeben ist,
zu dem heimisch Schönen sich etwas fremd Schönes einzuverleiben.“
Anbei ein kleines Bildervideo.







