Moin liebe Angelfreunde,
wie in der Vorstellung versprochen, hier nun mein Reisebericht. Ich hoffe, es langweilt Euch nicht
Zuvor einmal vielen Dank, denn vor dem Urlaub habe ich mir viele Infos hier aus dem Forum gezogen.
Wir (mein Vater und ich) waren vom 7.4. - 14.4. in der Nähe von Farsund.
Für uns war es der erste Angelurlaub in Norwegen, daher haben wir uns für den Süden entschieden. Kurze Anreise und gutes Preis-Leistungsverhältnis.
Mein Ziel war es, erste Erfahrungen zu sammeln und natürlich die atemberaubende Landschaft zu begutachten.
Nachdem monatelang die Ausrüstung "Norwegentauglich" gemacht wurde, viel recherchiert und alles gebucht wurde, ging es am 7.4. gegen Mittag los.
Den Schwedenlaster (Volvo V70 II) vollgepackt bis unters Dach kamen wir sehr gut bis Hirtshals durch und waren schon 2,5 Std. vor Abfahrt am Fährterminal.
Die einzige Fähre die im Winterfahrplan nach Kristiansand fährt, legt um 21:30 Uhr ab. Ankunft ca. 00:30 Uhr. Kosten für 2 Personen und 1 Standard PKW 224,-€ Hin und zurück.
Mit etwas Verspätung kamen wir um 00:50 Uhr in Kristiansand an. Bis sich der Inhalt der Fähre am ersten Kreisverkehr verteilt hat, verging auch nochmal gut eine Stunde.
Noch 87 km zum Ferienhaus. Navi sagte 1 Stunde und 45 Minuten. Ich mochte es nicht glauben, mein Navi behielt aber recht. Die letzten 15 km waren sehr abenteuerlich. Die Dunkelheit und unbefestigte, schmale Straße machten die Schlussetappe zur Tortur.
Um kurz vor 3 Uhr nachts empfing uns der Vermieter freudig und zeigte uns kurz das Häuschen. Uns interessierte natürlich erstmal nur das Bett. Ein schneller Rum Cola und es ging ab in die Koje.
Unser Haus lag unmittelbar am Wasser und ein rauwassertaugliches Boot mit Kartenplotter, Fischfinder und 50 PS waren im Mietpreis inklusive.
Hauskoordinaten: 58.068037, 6.959296
Am Sonntag trafen wir uns bei nebeligem aber windstillem Wetter nochmal mit dem Vermieter, der uns das Boot zeigte und wir gemeinsam eine Proberunde drehten.
Anschließend haben wir den kleinen Fjord nochmal auf eigene Faust erkundet, ohne aber zu fischen.
Der Abend wurde genutzt um das Auto auszupacken und das Fanggerät vorzubereiten.
Dann war es soweit, Montag, der 09. April 2018. Wir sind endlich rausgefahren zum Fischen. Vorher hatte ich die Seekarten natürlich ausgiebig studiert und mir einige Riffe herausgesucht, die ansteuern wollte.
Das Wetter spielte voll mit, Windstärke 1 (gefühlt Flaute) und Nebel. Ich hatte am ersten Tag eigentlich nicht vor raus aufs offene Meer zu fahren, die Bedingungen waren aber zu gut.
Die erste halbe Stunden fischten wir vor Langoy (58.062546, 6.869228), auf dem Fischfinder kein Alarm und auch kein einziger Biss. Ich setzte um und wir wagten uns noch weiter raus.
Vor der Felsinsel Lindholmen (58.050746, 6.869074) versuchten wir es erneut. Wir fuhren so dicht wie möglich an die Felsen heran um uns von dort raus treiben zu lassen.
Mit einer typischen Dorschmontage und 125g Pilker ging es dann weiter. Wassertiefe ab 25 bis 55m. Der dritte Wurf, Mittelwasser (ca. 20m) ein harter Schlag. Schöner Drill, nach ca. 3-4 Minuten kam das Resultat an die Wasseroberfläche.
Ein stattlicher Köhler von 75cm Länge. Mein erster Fisch in Norwegen und dann so ein Schöner
Voller Euphorie ging es weiter. Zwei weitere Köhler gingen an den Haken, welche ich aber wieder released habe. Beide hätten zwar ein Abendessen hergegeben, aber mit max. 35cm Länge habe ich mich dafür entschieden sie wieder freizulassen.
Gegen 14:30 Uhr ging es dann wieder Richtung Unterkunft.
Am stegeigenen Filetiertisch wurde die Beute dann filetiert und in zwei wunderbare Hälften zerteilt. Beide zusammen ergaben gute 1,8 kg Filet. Die Reste (Kopf & Mittelgräte) haben wir natürlich noch verarbeitet und eine wirklich gute Fischsuppe gezaubert.
Eines der Filets wurde am selben Abend ebenfalls im Backofen mit frischem Gemüse unter der Alufolie im Ofen gedünstet. Den Rest haben wir eingefroren.
Der Wetterbericht für den nächsten Tag sah leider etwas schlechter aus. Es war zwar viel Sonne angesagt, aber auch viel Wind. Windstärke 5 aus N oder NO. Wie ihr der Karte entnehmen könnt, bedeutet dies, dass es ablandiger Wind ist. Bedeutet auch, dass der Fisch aus dem Fjord getrieben wird.
Bei Windstärke 5 mit unbeständigen Böen in unbekannten Revier rausfahren? Ja sicher! Ich war selbst überrascht, was das Boot abkann. Leider war die Felsinsel mit den Fangerfolgen vom Vortag sehr flach und hat den Wind nicht wirklich abgemildert. Also haben wir uns an der Lee Seite von Langoy postiert um dort unser Glück zu versuchen.
Leider hatten wir in hier wieder keinen Erfolg und zogen nach 1,5 Stunden wieder ab, da wir auch nicht wussten, wie sich das Wetter entwickeln würde. Was sich auf dem Hinweg als angenehm erwies (achterlicher Wind) rächte sich auf dem Rückweg. Voll gegen an. Da hilft dann nur Motorleistung. So, dass das Boot ins gleiten kommt und am besten von Wellenkamm zu Wellenkamm springen. Das klappte am besten bei ca. 25 – 30 km/h.
Sicher im Hafen angekommen, besuchten wir am Nachmittag Farsund und füllten unsere Vorräte etwas auf. Im Supermarkt stießen wir dann auf Walfleisch. 400g Stück für 110 Kr (ca. 11 €). Gekauft!
Abends dann das Walfleisch in zwei gleichgroße Steaks zerteilt und in der Pfanne scharf angebraten. Dazu Pellkartoffeln mit Kräuterbutter – Herrlich. Wirklich sehr schmackhaft. Es schmeckt überhaupt nicht nach Fisch. Sowohl Konsistenz als auch Geschmack sind sehr mit Rindfleisch vergleichbar.
Wenn man in Norwegen ist, sollte man das auf jeden Fall probieren.
Die nächsten Tage sahen leider ähnlich aus, viel Sonne aber starker ablandiger Wind. Somit war im Fjord selbst nicht mit Fisch zu rechnen und draußen war es zu stürmisch. Die Drift hat uns sehr schnell Richtung offenes Meer getrieben und wir konnten nur mit laufendem Motor halbwegs gegen angehen.
Also nutzten wir das eigentlich schöne Wetter und besuchten alle umliegenden Städte. Kristiansand, Farsund, Mandal und Lyngdal. Alles sehr zu empfehlen.
Am Freitag war es dann schon Zeit zu packen und das Ferienhaus auf Vordermann zu bringen. Um 4:30 Uhr sollte der Wecker klingeln, um 5:15 Uhr Richtung Fähre aufzubrechen.
Auch die Rückfahrt verlief ohne Probleme. Die Fähre legte pünktlich um 8 Uhr ab und um 11:15 Uhr in Hirtshals wieder an. Kaum hatten wir die deutsch-dänische Grenze passiert, fing es natürlich an in Strömen zu regnen.
Nichts desto trotz waren wir gegen 17 Uhr wieder zu Hause.
Als Fazit möchte ich zusammenfassen:
- Ein traumhaftes Land, sowohl landschaftlich als auch von den Bewohnern
- Beim Fischen kommt es stark auf das Revier und das Wetter an
- Die Bootsgröße und Leistung entscheidet, ob und wie weit man rausfahren kann
- Ich persönlich würde lieber etwas mehr Geld ausgeben und ein größeres Boot nehmen
- Im Zweifelsfall entscheiden 2m Boot und 30 PS Mehrleistung, ob man den Heimathafen wieder erreicht
- Auf Kartenplotter (zur Not auch Handy Navigation) würde ich nicht verzichten
Für mich steht fest, dass ich dort so schnell wie möglich wieder hin möchte.