Moin, ich habe ja schon angedroht, daß ich eine Rute bauen möchte. Nachdem ich, nach Meinung meiner Frau, zu oft im Wohnzimmer gesessen habe wurde mir angeraten, ein neues Hobby zu suchen. Gesagt getan, sie stiefelte in den Keller und räumte mir in der letzten Ecke weit, weit hinten einen Fleck frei an dem ich mich kreativ betätigen kann. Da saß ich nun vor einem leeren ausrangiertem Schreibtisch und ließ mein Leben vorüber ziehen - ich hatte das Ende erreicht - die Bastelecke für alte Männer im Keller.
Nun aber los und den Anfang sollte ein Rutenbaukurs machen und den buchte ich bei Karl Bartsch in Handzell/ Pöttmes. Wer einmal da war weiß warum dort gute Ruten gebaut werden da gibt es sonst nichts anderes was man machen kann und ich habe deutlich gesehen, daß man dort den Mond tatsächlich mit einer langen Stange weiter geschoben hat. Mein Navi hat gefragt : " Wollen sie da wirklich hin " und erst nach vielen Diskussionen gestattete es die Zieleingabe.
Und die Begrüßung durch Karl war auch seeeehr herzlich : " Was willst du denn " in einem Ton der mich erst mal einen Satz nach hinten machen ließ aber ich war ja durch MeFo- Schreck vorgewarnt. Und wenn man den Dialekt einigermaßen versteht, merkt man sehr schnell, daß nicht Unfreundlichkeit hinter Karls Ton steckt sondern eine andere Art der Kommunikation. Das Erste was ich lernte war " Ja " sagen und wenn der Meister spricht und meint hast du Sendepause und wenn er was vorschlägt ist das weniger ein Vorschlag sondern schon eine feste Größe die man lieber mit einem zackigem " Ja " beantwortet.
Für jeden blutigen Anfänger sei gesagt, macht euch Gedanken darüber was ihr wollt, geht auf die Internetseiten und lest euch etwas ein. Ihr müßt wissen, was ihr mit der Rute machen wollt, wie hoch das WG liegt, wie lang die Rute sein soll, ob ihr Kork oder Duplon als Griff wollt, ob eure Rollenhalterung mit oder ohne Triggergriff ist und ob sie eine bestimmte Farbe haben soll und wo euer preisliches Limit liegt. Für lange Beratungsgespräche bleibt nicht viel Zeit am Morgen, da alle Teilnehmer ihre Ausrüstung bekommen müssen ( für einzelne Herren die dann alles noch zehn mal hinterfragen wird dann schon eine Ausnahme gemacht ). Macht euch also schon mal zu Hause Gedanken über Aufbau und Aussehen eurer Rute und klärt bestimmte Fragen schon im Vorfeld via Telefon dann geht das morgens beim Kurs alles etwas einfacher.
Nun geht's ans Werk und man merkt sehr schnell, es ist kein Hexenwerk. Unter der super Aufsicht von Karl und Marcel nahm die Rute sehr schnell Form an, Griffe wurden unterfüttert auf Länge gebracht und verklebt und gegen Mittag ging es an die Wicklungen. Jeder der zwei halbwegs intakte Hände hat wird hier klar kommen und schon hat man eine Rute mit Griffen und Ringen. Den Abschluß bildet das Lackieren.
Wer Interesse am Rutenbau hat dem würde ich empfehlen solch einen Kurs zu besuchen. Man steht nie allein da, kann jederzeit fragen und bekommt jede Hilfe die man braucht und erlernt zumindest die Grundtechnik. Am Ende des Tages ist die Rute fertig nur der Lack bedarf noch einiger Zeit.
Alles in Allem hat mir der Tag sehr viel Spaß gemacht und ich verstehe, warum einige nicht das Erste mal im Kurs waren und dafür ein großes für Karl und Marcel.
Organisatorisches : Fürs leibliche Wohl wird gesorgt ( Mittags Wiener, Getränke kann man frei nehmen ). Wer eine längere Anfahrt hat ( ich hatte 260km einfach ) sollte über eine Übernachtung nachdenken ( Lack ist erst am nächsten Tag fertig und schicken kostet 40€ ). Im Gasthof " Zum Ochsenwirt " in Pöttmes gibt es gute Einzelzimmer für 38€ mit Frühstück und ein sehr leckeres Abendessen.
Gruß Peter