Kamøyvær Juni 2008
Am 30.05.08 ging es endlich wieder auf die lange Reise ans Nordkapp, dorthin, wo das Leben erst beginnt.
Unser Weg führte wieder über den Landweg Dänemark-Schweden-Finnland-Norwegen und Ingo hatte zudem auch noch am 01.06. Geburtstag. Er ist dieses Jahr dreimal 43 geworden. Respekt, denn dass heißt, dass er zwei mal wieder 42 Jahre alt wurde
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Die Finnen sind mit ihrer Sommerzeit eine Stunde vor uns, als wir die Grenze bei Karasjok nach Norwegen passierten, war es nach finnischer Zeit ca. 00.30 Uhr, Ingo hatte also das erste mal Geburtstag schon gefeiert. Wir haben also die Grenze überquert, es wurde eine Stunde früher und somit Ingo wieder 42. Kurz nach der Grenzüberquerung sahen wir eine Tankstelle auf der anderen Seite des Zaunes, sprich in Finnland, wo der Liter Diesel ca. 0,50 EUR günstiger war. Wir haben dann kurzerhand eine Kehrtwendung gemacht, der Grenzer war sehr verwirrt, hat er uns doch eben noch nach Norwegen einreisen sehen, also erstmal „Rote Ampel“, nachdem ich ihm in englisch erklärt habe, dass wir nochmal schräg gegenüber auf der „Bensinstation“ tanken wollten, durften wir dann doch wieder nach Finnland einreisen – Zack, Ingo war wieder 43. Tanken dauert ja bekanntlich nicht sehr lange und so fuhren wir vor Mitternacht norwegischer Zeit wieder über die Grenze und Ingo war mal wieder 42. Aber irgendwann hat alles ein Ende und auch Ingo konnte sich nicht dagegen wehren und er wurde dann zur „regulären“ MEZ dann wohl oder übel doch noch 43 Jahre alt. Er hat es aber sehr gut verkraftet.
Ankunft in Kamøyvær war dann der 01.06.08 um 3.30 Uhr bei bestem Sonnenschein und wir konnten nicht lange schlafen, wollten wir doch endlich wieder unsere Pilker baden. Nachdem wir geschlafen und gefrühstückt hatten, gab es erst eine große Willkommensszene mit Thor-Sverre Hansen, unserem Vermieter. Wir haben uns alle sehr gefreut, uns nach einem Jahr wieder zu sehen. Die Sonne hat sich in der Zwischenzeit verkrümelt und sollte während der nächsten 10 Tage auch nur sporadisch durch die Wolken blitzen, kurz gesagt es war SAUKALT, 3 – 6 ° Celsius waren an der Tagesordnung, einmal hatten wir 12 °, aber auch nur, weil die Sonne ca. 20 Minuten auf das Thermometer schien.
Die nächsten Tage sind sehr schnell erzählt, Ausfahrten von max. 4 – 5 Stunden waren an der Tagesordnung, länger konnten wir es in der Kälte nicht aushalten. Fische haben wir uns wirklich „hart erarbeiten“ müssen, sprich die großen Schwärme blieben aus bzw. die Fische waren nicht in Beißlaune. Wir haben zu viert drei Fischkisten mit Filet füllen können, es ist ja nicht so, dass es gar keinen Fisch gab, halt nur keine Riesen und Dorsche und Köhler unter 65/70 cm wurden wieder zurückgesetzt. Ingo hat einen Dorsch von 103 cm gefangen, und damit hat er auch den Urlaubsrekord aufgestellt. Phuuuu, somit ist meine „Familienkrone“ vom letzten Jahr noch sicher auf meinem Haupt. Ich habe dieses Jahr meinen ersten (und leider auch einzigen) Heilbutt gefangen, sage und schreibe 59 cm groß, aber es war einer. Heilbutt haben wir insgesamt 5 gefangen, keiner war über 80 cm. Nächstes Mal wird gezielter angegriffen, versprochen.
Auf Rotbarsch haben wir uns nur einmal versucht, dazu muss man nämlich mind. bis zum Plateau „Gamlesve“ fahren, dort geht es von 288 m rauf auf 50 m und dort kracht es normalerweise in der Rute, wenn nicht unmittelbar vor dir die Fischer mit ihren Schleppnetzten ihre Runde gedreht haben, so wie bei uns. Aber wir haben zwei große Rotbarsche ergattert und somit war die Mühe des Vorfachknüpfens und des Hochleierns ohne E-Multi nicht ganz umsonst.
Hauptsächlich haben wir Punkte an der Kante zum Fjordausgang angefahren wie „Helnes Fyr, Austerryggen, Mellomryggen, Vesterryggen und Opnan“, Tiefen über 100 m brauchten wir ansonsten auch gar nicht ansteuern. Steinbeißer, Köhler, Dorsch, Rotbarsch, Heilbutt, Scholle, Lump, Schellfisch: Alle waren sie vertreten.
Highlight war das Auslegen von zwei Körben für den Fang von Königskrabben, diese haben wir dann mit Thor-Sverre in 70 m Tiefe versenkt. Leider war es Thor-Sverre zeitlich nicht möglich, die Körbe nach 2 Tagen zu bergen und so hatten wir nach 4 Tagen etliche Mühe, diese zwei Körbe wieder an´s Tageslicht zu befördern. Wir haben alle Kräfte mobilisieren müssen und haben gezogen, was das Zeugs hält. Viele Königskrabben waren in den Körben und so konnten wir uns auf die richtig großen Exemplare konzentrieren. Diese zu entbeinen war eine richtige Plackerei, die sich aber gelohnt hat. Zu viert haben wir am Abend dann zwei Königskrabben verputzt, den Rest konnten wir frosten und mit nach Hause nehmen, hier werden wir noch einmal ein wunderbares Festessen veranstalten und uns an die anstrengende Bergung erinnern.
Beim Bootssteg hatten wir regelmäßig Besuch von einem wirklich süßen kleinen Ming (Marderart), man war der süüüüß. Er war aber sowas von Wasserscheu, beim Versuch, auf die Boote zu kommen war es ihm lieber, sich ganz mutig an uns vorbei zu drücken, als ganz entspannt den kurzen Wasserweg zu nehmen. Zum Dank hat er mir sogar einmal zugefiept, als ich ihm ein paar leckere Fischfetzen hinwarf.
Auch hatten wir dieses Jahr viele Elche und noch viel mehr Rentiere gesehen, so eine Elchsafari war schon was feines und richtig aufregend. Die Rentiere hatten während der Zeit unseres Aufenthaltes gekalbt, auf der Rückreise war es eine wahre Wonne, an den unzähligen kleinen Kälbern vorbeizufahren.
Auf dem Rückweg gab es am Polarkreis in Finnland noch eine Begegnung mit dem Weihnachtsmann, selbst für mich als eigentlich erwachsene Frau, war das ein tolles Erlebnis, die Frage nach meinem Namen und meiner Heimat konnte ich nur „ehrfürchtig“ flüstern, aber welche Zufall, Santa kannte Hannover (welch Wunder) auch. Aber von der Expo 2000. Nachdem er uns Versprochen hat, Weihnachten 2008 in Hannover auf alle Fälle zu halten, konnten wir uns am Polarkreis noch weiter umsehen. Auf der Hinfahrt sind wir „außerhalb“ der Saison vorbeigekommen, alle Geschäfte waren bereits geschlossen und es waren nur ganz wenige Menschen unterwegs. Es war schon seltsam, hatten wir dort doch glatt bei 20 ° Celsius Weihnachtslieder gehört und geschwitzt. Auf der Rückreise 10 ° und viele Menschen, noch schnell ein paar Postkarten verschickt, Souvenirs gekauft und weiter Richtung Schweden, dort hatten wir, wie auch auf der Hinfahrt, im Vorfeld eine Ferienwohnung für eine Nacht gemietet und konnten uns von der ersten Etappe erholen.
Die Rückreise starteten wir am Mittwoch um 1.30 Uhr und in Hannover waren wir am Freitag um 4.00 Uhr, zwar völlig erledigt, aber noch zu aufgedreht, um gleich ins Bett zu gehen, dieses haben wir erst um 6.30 Uhr gefunden und um 11.15 Uhr war die kurze Nacht schon wieder vorbei, mehr ging seltsamerweise nicht.
Alles im Allen war es wieder ein ganz toller Urlaub in Kamøyvær. Thor-Sverre hat ein neues Haus am Bootssteg gebaut. Dieses beinhaltet drei Filetiertische, das Gefrierhaus und ein Trockenraum, der konstant mit 30 ° beheizt wird (eine Wohltat für Durchgefrorene, sich nach der Ausfahrt dort in aller Ruhe umzuziehen) Über den Fußboden fließt das Wasser direkt in das Hafenbecken ab, was besseres kann ich mir wirklich nicht vorstellen.
Der Rund-Um-Service von Thor-Sverre war mal wieder vom Feinsten. Er hat uns mit Benzin, frischen und geräucherten Wildlachs und täglichen Wetterprognosen versorgt. Letztere waren nicht sehr erbaulich, aber dafür kann ja keiner was. Während Deutschland Temperaturen von bis zu + 30 ° Celsius aufzuwarten hatte, waren es in Kamøvær halt nur + 6 ° (nachts sogar noch kälter). Laut Thor-Sverre schon recht ungewöhnlich für Anfang Juni, seit 6/7 Wochen ist ein Kälteeinbruch über der Insel, der teilweise 20 cm Neuschnee Mitte Mai mit sich brachte. Auch wir haben im Schneegestöber gestanden, während die Daheimgebliebenen schwitzten.
Für uns steht auf alle Fälle fest: Wir kommen wieder - Kamøyvær macht süchtig.
Die ersten Bilder der Kälte:
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Auf Wunsch von Kirsten die Überschrift geändert.Gruß André
P.S hast Du diese Anlage schon in der Hyttendatenbank drin ? Den Link findest Du oben in der Menuezeile.




