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  1. Norwegen Angelfreunde, Freunde geben Auskunft
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  3. Mein erstes Mal in Norwegen

Ballast erobert Norwegen -Teil II-

  • Ballast1
  • 14. Dezember 2007 um 18:18
  • Online
    Ballast1
    Moderator
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    28. Juni 1957 (68)
    • 14. Dezember 2007 um 18:18
    • #1

    Wie gesagt, mein Leidensweg begann, ich wußte doch NICHTS !

    Ich wußte nicht, das Ralf und Hardy nie weniger als 8 Stunden im Boot
    saßen, das Norwegen Mitte Mai doch noch recht kalt ist, das es auch
    mal regnet, das die Uhren irgenwie falsch gehen
    (oder geht die Sonne falsch ?)
    und das große Fische aus der Tiefe ARBEIT bedeuten !

    Fakt war, ich habe mir den Hintern zuerst platt und dann wund
    gesessen in diesem dämlichen fest montierten Plasikschalensitz.
    Zum Angel raushalten war eine ziemlich unnatürliche Körperhaltung
    angesagt, aber was solls, ich mußte da durch.
    Klamotten hatte ich so das übliche hannoversche Schlechtwetterzeug
    eingepackt, dazu mein alter Reitermantel (gestiftet vom Land
    Niedersachsen), der ging schön über die Knie. Aber so'n Körper ist
    ja mehr als nur Knie!
    Mann, hab ich gefroren. Die normale Pilklockbewegung wurde durch die Vibration
    der Finger (Zitter!) noch unterstützt.

    Wenn ich, der Ballast aus Boot 1, dann mal leise anmerkte, dass ich
    kurz vorm Erfrieren bin, wurde hinter mir geantwortet "Ach, komm, eine
    Drift können wir noch !" Zwei gegen einen, als guter Demokrat beugte
    ich mich demütig (und frierend) der Mehrheit. Und es wurde IMMER
    mehr als "ooochnurnocheineDrift". Feine Freunde...
    Und dann mal der Blick auf die Uhr - war ja noch hell. PANIK -
    es war eine Stunde nach Mitternacht !

    Das Pilken war gar nicht so langweilig, denn ich hatte
    ja immer NEUE Hänger.

    Nach zwei Tagen hatte ich aber den Bogen raus und hatte statt immer
    nur Norwegen auch schöne Fische am Haken.
    Wir hatten keine Karte, kein Echolot, und trotzdem ging es ganz gut
    ab. Die Köhler und Pollack hatten meist so um die 5 kg, also richtig gut.

    Zu meiner Schande muß ich gestehen, dass ich mich an meinen ersten Fisch gar nicht
    mehr erinnere - ich weiß nur, dass ich seitdem fürs Süßwasserangeln versaut bin.

    Erste Anerkenntnis meiner Ausbilder bekam ich, als ich die Methode
    des "Horizontpunktesuchen" zum Finden eines besonderen
    Unterwasserberges einführte und wir so die Stelle auch ohne
    norwegische Boote immer wieder fanden.

    War so'n Schlagwort: Wo die norwegischen Boote stehen, ist Fisch.
    Hat Torsten einmal zu einem Scherz verleitet. Einer aus der Gruppe
    hatte die Angewohnheit, aus verschiedenen Gründen die Angelstelle
    zu verlegen, auch wenn man gerade eben endlich "unten" war. (Fahr
    da mal rüber zu den Norwegern, da ist bestimmt Fisch) Nervte total !!!

    Torsten also rübergerufen : "Name", fahr mal da rüber, beim Norweger
    ist bestimmt Fisch!". "Name" wurde gleich unruhig und drehte sich um -
    der "Norweger" war die Fähre ! Großes Gelächter auf dem Fjord.

    Eine weitere "Hochhol-Macke: In einem anderen Boot wird ein starker Fisch gedrillt. Er dann
    immer "Angeln hoch" und rangefahren zum Glotzen. Dass die Schraube in
    die Schnüre kommen könnte, war ihm piepegal.

    Wieder Torsten: Bindet unbemerkt so ca. 7 kg Blei an die Rute, läßt langsam
    runter und schreit plötzlich auf >> die Rute krumm wie HulaHup-Reifen -
    anscheinend ein Kapitaler!
    "Name" beißt auch an, beide holen ein und fahren zum Ort des kapitalen Drills.
    Als er noch 10 m weg ist, holt Torsten den Bleiklumpen hoch und sagt "April, April" -
    "Name" fährt seitdem nicht mehr mit! Ist aber auch kein wirklich großer Verlust.

    Unser Torsten - er schaut uns ja jetzt immer von oben beim Angeln zu
    - hatte noch andere Döniken im Kopf, aber es sei nun genug.

    Nee, einer noch: Ich habe Zugriff zu Schießscheiben, deshalb (zwischen zwei mörderischen Bäuerchen)
    "Heiko, hast du ein paar Pappkameraden für mich?" -
    "Wieso, Torsten, reicht Dir Deine Gummipuppe nicht mehr?"

    Zurück zum Wesentlichen:
    Eines abends kehrten wir von Fangfahrt zurück, laue Nacht, noch
    keinen Bock zum Hochgehen. Meine beiden Mitstreiter, an diesem Tage
    mal nicht die beiden Irren aus "Boot 1", wollten aber nicht mehr.

    Fischgeile Landratte Heiko also das Boot wieder losgemacht und
    vorsichtig in die Mitte der Bucht zu den Heringen gefahren. Hatte bis
    dato noch NIE mit Booten zu tun, rudern ist mir seit ich Laufen kann
    ein Greuel und Motorboote kannte ich nur aus "Flipper" !

    Dann schnell noch von Ralf ein Vorfach geliehen und mit .45er Leine
    auf die Heringe gestürzt. Was 'ne einmalige Gaudi. Runterlassen und
    plopp-plopp-plopp-plopp waren die Haken bestetzt. Zwischendurch
    auch mal die eben gehakte Heringscrew durchrutschen lassen, könnte
    ja was drunter sein.

    War es auch !

    Wenn man gerade so seinen Heringsspaß hat und dann so'n
    7-kg-Dorsch einsteigt, werden die Augen des Rutenhalters doch
    recht geweitet. Die Schnur hielt, mein Gaff schlug ein und ich war
    fertig mit die Nerven.
    Ralf und Hardy im Nachbarboot fanden, ich sei ein guter Schüler.
    Ich fand das auch.

    Irgendwann war der Maurerkübel 3/4tel voll, es wurde kalt. Wir fuhren
    zu den Anlegerleinen. Feierabend ! Feierabend ? -Denkste-

    Jetzt kam ein richtiges Problem für mich: ich hatte doch N U L L
    Erfahrung mit so 'nem motorgetriebenen schwimmenden Untersatz.

    Das Anlegen war bestimmt für jeden Beobachter eine tolle Show. Wenn
    mich ein Norweger gesehen hätte, ich wäre des sofort Landes
    verwiesen worden.

    Ich mußte mich langsam und unbedingt zielgenau mit dem Bug
    (is > vorne !!!) an die Boje bugsieren, nach vorne springen und
    Ankerleine mit Gaff aufnehmen, Karabiner einhaken, zurück nach
    hinten hechten und dort auch schnell festmachen.
    Meine größte Angst war, zu schnell anzufahren und das Boot an
    der Hafenmauer zu versenken.
    Deshalb habe ich wohl so fünf bis sechs Anläufe gebraucht, jeder mit
    langsamster Fahrt und äußerster Präzision durchgeführt, leider eben
    im Abschluß nicht die nötige Vollendung - aber dann war ich stolz wie
    Bolle - geschafft !

    Damit war der Abend aber nicht beendet. Nach einer Schlacht müssen
    die Toten ja auch geborgen werden.
    Kurzum: ich angele NIE wieder auf Hering!

    So gegen 4.30 Uhr morgens hatten wir den letzten Hering eingefroren !

    Und die Schuppen- überall Schuppen, Schuppen, Schuppen, finde
    heute noch welche in den Ecken meiner Messerkiste.
    Mein Direx lag schon in der Koje, ich hatte mächtig einen im Hacken
    und mußte -leise, leise- in mein oberes Etagenbett klettern. Nach
    angeln auf dem Meer jetzt noch alpine Kunststücke.

    Hut ab, sagte ich mir, Norge bietet wirklich was !

    Eines abends fiel mir auf, dass noch eine Bootsbesatzung fehlte.
    Wir waren an diesem Nachmittag bei Regenwetter zur legendären
    Lachsfarm vor Valevag gefahren, dort aber nichts gefangen.

    Hardy und ich also noch mal den warmen Schal umgeschmissen
    und Rettungsfahrt eingeleitet.

    Wie das denn so ist: zu wenig Sprit, erstmal umfüllen, dann raus mit
    unserem Plasiksprinter.
    Endlich sahen wir das Boot mit den drei fehlenden Anglern. Sah
    irgendwie aus wie tiefergelegt. Fuhr gaanz langsam. Wir hin, wollten
    helfen, war aber nicht nötig, war soweit alles in Ordnung - bis auf die
    Köhler im Boot. Es war fast randvoll !

    Was war passiert ? Als wir beschlossen, die Lachsfarm zu verlassen,
    hatte Eddi einen Knotentüddel. Nach dem Enttüddeln hat er zur
    Schnurstraffung noch mal runtergelassen - und da ging der Tanz los.
    Handys waren noch nicht so verbreitet, daher konnten sie uns nicht zurückrufen.
    Wieder so eine lange Nacht, wieder fließbandfiletieren bis die Messer
    glühen. Und nicht nur filetieren - der Kütt mußte weggebracht werden
    und neue Fische aus dem Boot zum Haus gebracht werden. (Dabei
    darf ich eigentlich gar nicht arbeiten - bin doch Beamter !)

    Finde übrigens bis heute, das schönste am Angeln ist das filetieren
    (außer Lumb).

    Dann mal wieder an unserem Berg, plötzlich geht da irgendwie nichts
    mehr - Hänger - Hopps, nee, bewegt sich - also dann mal hoch damit.

    Nur einmal vorher haben mir die Arme so weh getan, wie nach
    glücklicher Landung des Fisches (als ich mal einen halben Tag lang
    Estrich auf einen Balkon geschaufelt habe).

    Das "Ding" kommt hoch, zeigt weiß und Ralf schägt zu: Gaff ins Maul
    und kräftig ziehen...

    - schwupps, lagen da 11 kg Seeteufel im Boot. Hatte ich doch eben
    mal unseren bisherigen Anglerkönig von Thron geschubst.
    Also wirklich, bei aller Häßlichkeit, aber die Augen von einem Seeteufel
    sind einfach fast unschlagbar schön, nur Rochenaugen sind schöner.

    Die Schönheit verging schnell, weil ein Brutalinski den Fischbonker
    nahm und dem Seeteufel das Licht ausblies.

    Beim Drill des Teufels hatte ich das Gefühl, ich habe eine große
    Karstadttüte am Haken.

    Ich verließ Norwegen also als König ohne Krone, aber nun mußten die
    mich ja nächstes Jahr wieder mitkarren - ob sie wollten oder nicht!

    Welch schöner Ausblick !

    Irgendwann ist alles mal vorbei.
    Freitag abend nach den letzten Vorbereitungen zur Abfahrt am
    nächsten Morgen wollte ich nur noch alleine sein.

    Männer weinen eben heimlich, ich am kleinen Hafen sogar unheimlich ! :crying: :crying: :crying:

    Dann kam Ralf noch dazu und wir beide haben uns erstmal beide
    richtig ausgeheult.
    (mir tritt eben gerade wieder das Wasser in die Augen).

    Seitdem sind wir Freunde für's Leben.
    DANKE, Ralf - für A L L E S

    Die Rückfahrt verlief ohne weitere Höhepunkte.
    Einmal war jedoch mein (tr)(n)euer Freund Ralf etwas verstimmt:

    Irgendwo in der Nähe von Aabenraa (DK) warf ich beiläufig ein, dass
    ich im nächsten Jahr eine Gitarre mitnehmen werde.
    Ralf darauf: "Ach, du kannst Gitarre speielen ?" "Nee," antwortete ich,
    "aber du hast ja dieses Jahr auch deine Brandungsruten mitgehabt!" :biglaugh:
    Ich gebs zu, etwas zweideutig, aber so hatte ich es auch gemeint.

    Ich freue mich schon jetzt wie ein Wahnsinniger auf den nächsten
    Besuch in Norwegen...

    Es grüßt alle Leser

    Der BALLAST aus Boot 1 / Heiko

    PS: Was man in Norwegen so erlebt, fühlt, erleidet - keine Worte
    können dies richtig ausdrücken - mache jetzt Schluß und gehe
    schon wieder los, um Taschentuch zu holen......


    ! holde seg frisk !

    Ja, vi elsker dette landet, som det stiger frem,
    furet, værbitt, over vannet, med de tusen hjem.

    4 Mal editiert, zuletzt von Ballast1 (30. Oktober 2009 um 23:27)

  • nordfisker1.jpg

  • Jan Sommer
    inoffiz. Makrelenkönig
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    156
    • 21. Juli 2008 um 15:19
    • #2

    sehr gute Story, Heiko. Das mit der Gitarre 1a !!!

    Lange Tage und angenehme Nächte

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