Moin moin,
es soll ja tatsächlich noch ein paar wenige Leute geben, die mich nicht kennen. Daher möchte ich mich ein wenig ausführlicher vorstellen. Schlecht wäre es nur, wenn die Leute, die mich kennen, mich nach der Vorstellung plötzlich nicht mehr kennen
Das Baujahr 1964 ist bekanntermaßen eines der besten dieses Jahrhunderts. Und natürlich wurde auch ich in diesem Jahr geboren. Meine beiden älteren Schwestern freuten sich anfangs sehr über ihr Brüderchen ... das änderte sich allerdings ganz schnell, als sie mich im Kinderwagen spazieren fahren mussten und nicht spielen konnten. Das hat allerdings keine Spätfolgen gehabt. Heute verstehen wir uns wieder prima. Das dürfte hauptsächlich daran liegen, dass ich in keinen Kinderwagen mehr passe.
Ich wurde nahe der Ostseeküste geboren und auch die Familienurlaube meiner frühen Kindheit führten immer wieder an die Ostsee. Völlig klar, dass ich dabei eine enorme Affinität zum nassen Element entwickelte. Baden und tauchen waren meine Lieblingsbeschäftigungen und ich war nur mit sanfter Gewalt aus dem Wasser rauszukriegen. Das beste Argument war dabei immer: "Na gut, dann essen wir ohne dich!" Das hat gewirkt! Und damit sind wir bei einem weiteren Hobby von mir, welches man mir von Jahr zu Jahr mehr ansieht. Mist ... warum schmeckt alles nur so lecker?
Aber wie kam ich zum angeln? Mein Vater stammt aus Stettin und er hat mir viel erzählt über das Angeln in der Oder. Das war damals allerdings weniger ein Hobby. Diese Fischzüge sicherten das Überleben meines Vaters, seiner Eltern und der neun Geschwister. Und obwohl ich bis dato noch niemals eine Angel in der Hand gehalten hatte, war ich absolut fasziniert. Als ich wenig später sagte "Papa, bitte kauf mir eine Angel", sah ich das stolze Glitzern in seinen Augen.
Die Angel war schnell gekauft ... nur für eine Rolle reichte es vorerst nicht. Die waren sauteuer anfangs der 70er-Jahre. Aber mein Vater improvisierte und verklebte zwei gekantete Nägel an der Rute, wo ich die Schnur per Hand aufwickeln konnte. Ab ging es zum Dorfteich. Die ersten Rotaugen waren schnell gefangen und ich war per sofort lebenslang angelinfiziert. Kaum ein Tag, wo ich nicht fragte:"Papa, darf ich angeln gehen?"
Das ging solange gut, bis der erste Karpfen biss und mir das Geschirr natürlich gründlich zerlegte. Weinend lief ich mit dem zerstörtem Angelgeschirr nach Hause. Ich war sicher, dass mein Vater mir die Geschichte vom "großen Fisch, der alles kaputtgemacht hat", niemals glauben würde. Aber denkste! Er trocknete meine Tränen ab und erzählte mir von einem Tag auf der Oder, den er niemals vergessen würde.
Mein Vater angelte mit seinem Vater, also meinem Opa, mit Handleinen. Nach einem heftigen Anbiss und längerem Drill beförderte mein Opa einen kapitalen Aal an die Oberfläche. Beim Anblick des gigantischen Aalkopfes ist mein Opa in Ohnmacht gefallen und der Aal entkam. Ich weiß bis heute nicht, ob diese Geschichte stimmt, aber damals war ich versöhnt!
Ein Nachbar von uns gönnte sich gelegentlich den Luxus des Hochseeangelns und er hatte sogar noch eine zweite komplette Ausrüstung. Irgendwann fragte mein Vater den Nachbarn, ob er mich nicht mal mitnehmen könne zum Hochseeangeln. Zu meiner absoluten Verzückung sagte er zu.
Damals bestand das Hochseegeschirr aus dicken Knüppeln, überdimensionierten Rollen und Pilkern jenseits der 150 Gramm. Das war natürlich was ganz anderes als das Rotaugen stippen im Dorfteich! Mir elfjährigem Bengel taten bereits nach 15 Minuten die Arme weh und kein verdammter Dorsch wollte anbeißen! Aber aufgeben? Niemals!
Ich habe auf dieser Tour keinen einzigen Fisch gefangen, aber ich habe durchgehalten und gepilkt bis zum Ende! "Du bist ein zäher Kerl", sagte der Nachbar kopfnickend und bescherte mir damit unbewusst das größte Kompliment, das ich mir damals vorstellen konnte!
Irgendwann schenkte mir mein Opa, der in der damaligen DDR lebte, eine 12-Meter-Stippe der Firma Germina. Er muss dafür lange gespart und etliche Beziehungen bemüht haben. Er war stolz wie Oskar ... und ich wäre beinahe unter dem Gewicht der Rute zusammengebrochen. Als Kind konnte ich diese absolute Liebesgabe nicht wirklich würdigen, aber heute weiß ich, welche Opfer er dafür gebracht hat und halte diese Rute heute immer noch in allen Ehren.
Mit 14 Jahren trat ich dem örtlichen Angelverein bei und fing bald große Karpfen und Schleie. Ich war stolz ... nur essen mochte das Zeug niemand. Ich mag bis heute keine Karpfen! Zum Glück mochten eine Nachbarin und eine Tante gerne Karpfen und freuten sich über die Fische. Zumindest anfangs. Als ich aber jeden zweiten Tag freudestrahlend an der Tür klingelte und stolz einen oder mehrere Karpfen überreichte, entglitten so langsam die Gesichtszüge. Das habe ich damals echt nicht verstanden ...
Als Jugendlicher war das Nachtangeln absolut hip. Fast jedes Wochenende verabredete ich mich mit einem Vereinskollegen und verbrachte so manche Nacht von Samstag auf Sonntag am Teich. Bei einer dieser Gelegenheiten hörten wir dann plötzlich ein Rascheln, ein Kichern, ein Stöhnen, einen Schrei! Ungeheuer spannend für Jugendliche! Wurde da jemand umgebracht? Hm ... eher im Gegenteil! Es wurde versucht, Nachwuchs zu zeugen. Das war noch viel spannender! Wir sahen mit großen Augen zu, bis ein plötzliches Niesen meinerseits die beiden Hauptakteure zur panischen Flucht trieb. Schade eigentlich, aber ich habe viel gelernt in dieser Nacht!
Damals war auch das Wettangeln absolut in Mode. Bereits im ersten Jahr meiner Teilnahme wurde ich Jugendkönig. Damit habe ich so geprahlt, dass mich die anderen jugendlichen Angler mieden und als "arrogantes Arschloch" betitelten. Ich erkannte, dass ein Titel eigentlich nichts bedeutet, die Kameradschaft aber sehr viel und entschuldigte mich bei meinen Kollegen. Einige dieser Leute sind bis heute gute Freunde!
Dann kam die Pubertät und plötzlich wurden andere Dinge wichtiger als das Angeln. Ich habe tatsächlich einige Jahre ausgesetzt und nur durch Zufall bekam ich wieder eine Angelrute in die Hand. Ich wurde zum zweiten Mal infiziert. Ich glaube und hoffe, dass diese Infektion bis zum Lebensende anhält.
Aber noch bin ich nicht tot! Ganz im Gegenteil!
Ich spezialisierte mich auf Süßwasserräuber und Seefisch. Die schmeckten mir wenigstens. Als Jugendlicher kam es mir auf die Masse der Fische an. Aber so langsam erkannte ich, dass ich lieber Fische fange, die ich auch essen möchte. Warum einer Kreatur sinnlos Schmerzen zufügen?
So angelte ich fröhlich einige Jahre vor mich hin, als mein damals bester Freund 1996 zu mir sagte: " Ey, ein Arbeitskollege von mir fährt mit Freunden nach Norwegen zum Angeln. Zwei Plätze sind noch frei. Hast du Lust?" Na klar hatte ich Lust! Nach Fernreisen in die Dom. Rep. und nach Bali sowie zweimaligem Aufenthalt auf Malle lockte mich zur Abwechslung der Norden!
Tja, damit war es passiert: Der Norwegenvirus hat mich erwischt! Ich hatte nur mein Ostseegeschirr dabei und habe damit Unmengen an Seelachs gefangen. Voller Gier habe ich dann ein Heringspaternoster zusätzlich zum Drilling montiert. "Lass das", riet mir ein erfahrener Norwegenangler, aber mir standen die Fischgräten in den Augen. Unglaublich, was da für ein Drill folgte. Die Angelrute wurde von links nach rechts gezerrt und die Schnur lief kreischend von der völlig überforderten Rolle. Ich war total paralysiert, aber wahrscheinlich nur deshalb konnte ich drei stattliche Köhler und drei wohlgenährte Makrelen gleichzeitg landen. Wahnsinn!
Aber ich sehe in Norwegen nicht nur den anglerischen Erfolg. Ich genieße die Landschaft und die lockere Lebensart. Ein Ausfalltag beim Angeln wegen schlechter Witterung trifft mich längst nicht so hart wie viele andere Angeltouristen. Selbst bei absolut perfektem Wetter lasse ich mal eine Angeltour sausen und sitze lieber entspannt ohne Angel am Wasser und genieße! Das bringt mir enorm viel! Besonders viel Kopfschütteln von den Mitreisenden, die nur den Fisch sehen. Mir doch egal, ich habe Urlaub und ich war noch nie der absolute Hardcoreangler!
Aber natürlich habe ich anglerischen Ehrgeiz! Ich will in diesem Jahr endlich den ersten Meterfisch fangen. Und einen Heilbutt von 30 Kilo! Aber auch wenn es nicht klappt: Nächstes Jahr ist wieder Norwegen, vielleicht haut es dann hin. Und wenn nicht? Egal, es gibt ja noch übernächstes Jahr. Norwegen ist halt mehr als angeln!
Nach vier Urlauben in Südnorwegen hat es mich in Richtung Hitra gezogen und 2006 habe ich Nordnorwegen entdeckt. Dort versuche ich in diesem Jahr erneut mein Glück. Norwegen ist in allen Landesteilen schön und bietet überall enorm viel!
Aber natürlich gibt es im Leben noch mehr als Angeln und in einer vernünftigen Vorstellung sollten auch weitere Hobbys nicht fehlen. Ich bin eine absolute Leseratte. Ohne Bücher kann ich mir ein Leben nicht vorstellen!
Außerdem bin ich Fußball-Fan und drücke seit etwa meinem dritten Lebensjahr dem HSV die Daumen. Mein zweiter Verein ist Hannover 96.
Ich verabscheue Intriganten und Menschen, die nicht zu Teamarbeit fähig sind.
Ich koche gerne und probiere dabei mit Vorliebe Rezepturen ohne Kochbuch aus. Hauptsache frisch, pikant und gerne auch exotisch! Mein Lieblingsrestaurant ist das Tibet-Restaurant in Hamburg. Die fremden Gewürze sind immer wieder überwältigend!
Das wars ... anbei noch eine mutige kleine Fotostrecke meiner "Assimilierung"

Ulli? Den gibts wirklich!
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Moin Ulli,
saubere Vorstellung, endlich weiß ich wer du wirklich bist.
Du bist´n toller Typ,
der leider den falschen Verein die Daumen drückt :eek:
Bart steht dir übrigends:p
*GrußScali* -
Hi Ulli,
eben erst darauf gestoßen. Ich bin hin und weg von Deinere Vorstellung, vor allem aber auch vom zweiten Bild: Dein Blick sieht aus wie der einer Katze, die einen Vogel weggeputzt hat.:p
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Booaaahhh, was für eine ausführliche Vorstellung! So lange werden ja meine Reiseberichte kaum!
Gruß
Roland -
Hallo Ulli,
klasse Vorstellung, was kann man mehr dazu sagen.
Besonders das hier hat mir sehr gut gefallen:ZitatMein Vater angelte mit seinem Vater, also meinem Opa, mit Handleinen. Nach einem heftigen Anbiss und längerem Drill beförderte mein Opa einen kapitalen Aal an die Oberfläche. Beim Anblick des gigantischen Aalkopfes ist mein Opa in Ohnmacht gefallen und der Aal entkam.
Wünsche Dir Viel Glück auf Eurer geplanten Torsvag-Tour und natürlich auch den "Grossen Heilbutt".
Viele Grüsse
Erwin -
Hallo Ulli
Saubere Vorstellung, ich hatte ja beim lesen noch dazu Zeit
Bin mal gespannt ob nach der Torsvåg Reise noch ein weiteres Foto in die Galerie kommt
Viele Grüsse aus WOB
Thomas
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Hallo ihr ,ich bin jetzt auch da. Früher hiess ich anders ,aber ihr merkt sicher wer ich bin.
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Ulli -winke winke und einen schönen Gruß
Dieter
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Sehr schöne und witzige Vorstellung!
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Erst jetzt entdeckt , eines haben wir auf jeden Fall gemeinsam:
Zitat Ulli:
Ich verabscheue Intriganten und Menschen, die nicht zu Teamarbeit fähig sind.
mfg Lothar -
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