So, hier kommt mein Bericht von meiner zweiten diesjährigen Reise
nach Norge.
Diesmal sollte es, mit Kumpel Mutanten-Jäger, an den Romsdalfjord
ins Camp Herje gehen.
Die letzten Tage und Stunden vor der geplanten Abreise, waren der
pure Stress.
Wobei die Vorfreude und das Reisefieber nicht mal die Chance
hatten groß auszubrechen.
Wie ich hier schon berichtet hatte gab´s Probleme mit unseren
Bootstrailer. Und das Boot wollten wir auf jeden Fall mitnehmen.
Das Problem am Trailer war, eine kaputte Feder in der Bremstrommel
der Auflaufbremse.
Erkannt ist das Problem bereits vor über einem Jahr.
Mutanten-Jäger erklärte sich wie immer bereit den Schaden zu beheben.
Er schraubt halt gern an allem rum. Aber noch lieber schiebt er alles vor
sich her.
Da bringt ihn nix aus der Ruhe. Mich eigentlich auch nicht, höchstens auf
die Palme.
Die Bremse wurde vor einem Jahr kurzerhand stillgelegt damit die damals
anstehenden Ostseetouren stattfinden konnten. Hat sich gut bewährt, folglich
war die Reparatur der Bremse schnell vergessen.
Zwei Wochen vor Abreise nach Norge, mal wieder bei einem Ostseetrip, wurde
beschlossen, die Bremse jetzt doch zu reparieren. Könnte auf den langen Ge-
fällstrecken in Norwegen vielleicht ganz brauchbar sein.
Ach ja, zum TÜV mußte der Trailer ja auch noch ( oder hätte eigentlich im Mai
schon müssen ).
Drei Tage vor geplanter Abreise brachte Muti den Trailer zu seinem bevorzugten
Schrauber, weil er einfach nicht die Zeit fand, selbst Hand anzulegen.
Eine passende Feder für die Bremse hatte er immerhin schon besorgt.
Der Schrauber ging frisch ans Werk und stellte fest fest, das die Radlager an
beiden Rädern ebenfalls hinüber waren.
Die kann er auch, wenn überhaupt, so schnell nicht besorgen.
Also wurde ersma alles ohne Repartur wieder schön zusammen gebaut, und
in Ruhe überlegt, wie´s weitergehen könnte. Man hatte ja noch zwei Tage.
Dann der geniale Einfall von Muti am Mittwoch-Abend ( Freitag-Morgen soll es
losgehen ), das ganze Geraffel zu einer LKW-Werkstatt zu bringen.
Den kenn ich von der Arbeit, so Mutantenjäger, hab schon mit dem gesprochen,
Radlager hat er da, Bremse reparieren ist ein Klacks und TÜV wird auch noch
schnell gemacht.
Donnerstag-Abend ist datt alles fertig, allerhöchstens Freitag-Morgen.
Fahren wir eben ne Stunde später.
Den grenzenlosen Optimismus des Herrn M-hunter konnte ich keinesfalls
folgen.
Ich sah schon alle Fälle davon fliegen. War drauf und dran noch eben bei
Helge noch schnell ein Boot zu ordern. Hoffentlich hat der überhaupt noch.
eins.
Mensch, ich hab doch hier irgentwo noch so´n aufblasbares Bade-Boot rum-
liegen. Das könnte man doch zur Not......
Donnerstag-Abend der erlösende Anruf. Boot steh vollständig repariert und
mit TÜV wieder im Schuppen.
Somit ging´s tatsächlich pünktlich, wie seit Monaten geplant, Freitag dem
5. September gegen neun Uhr auf die lange Reise zum Romsdalfjord.
Dem Herrn sei Dank.
Oder besser noch, dem Herrn von der LKW- Werkstatt.
Ohne Probleme gings nach Puttgarden auf die Fahre nach Rödby, weiter
zur Fähre über denn kleinen Belt, dann durch Schweden nach Norge.
Samstag gegen elfe waren wir im Camp Herje angekommen.
Unser Haus
Unser Boot
Hafen von Herje
Es herschte ein Bomben-Wetter. Sonne pur, kein Wind.
Eine Stunde etwa mußten wir uns noch gedulten, dann konnten wir
in unsere Hütte und Helge´s Sohn half uns mit seinem Traktor unser
Boot ins Wasser zu lassen.
Jetzt hielt uns nix mehr.
Ab ins Boot und rauf auf den Fjord.
Erster Dämpfer, im meinem heißgeliebten Langfjord bei der Insel Holms-
holmen ging überhaupt nix.
Egal.
Der Benno kennt ja noch ein paar Stellen.
Doch auch hier nix.
Mutanten-Jäger wurde schon leicht nervös. Vier Jahr Norge-Abstinenz
zollen halt ihren Tribut.
Keine Panik, Benno kennt sein Revier.
Machen wir halt mal zur Vogel-Insel rüber.
Datt wird bestimmt was.
Was soll ich sagen, nachdem die richtige Drift gefunden wurdem, gab´s
den berühmten Schlag in der Rute und die Rolle kreischte ihr Freuden-
lied.
Der erste große Seelachs kam ins Boot. Oder besser gesagt, ein kleinerer
der Großen.
Am Ende hatten wir vier Seelachse landen können. In etwa 1,5 Stunden.
Der größte hatte immerhin 6kg auf den Schuppen.
Ärgerlich war, daß wir etliche Aussteiger hatten, trotz multifiler Schnur.
Die Burschen bissen verdammt zögerlich und vorsichtig.
Sei´s wie´s sei.
Dunkelheit und Bärenhunger kamen auf, von der Müdigkeit der langen
Anreise ganz zu schweigen.
Ergo Feierabend.
Am nächsten Morgen irgentwann aufgewacht und aus dem Bett gequählt.
Blick aus dem Fenster : Bomben-Wetter, Sonne pur, wenig Wind.
Mutantenjäger war, da bin ich sicher, in seinem früheren Leben Murmel-
tier gewesen. Also schlief er noch tief und fest.
Ich machte ersma Frühstück und alsbald wurde mein Spezie auch wach
und es ging dann bald auf´s Wasser.
An der Vogel-Insel ging nix. Die Bedingungen waren auch anders als
am Vortag.
Nun dann eben zum Romsdalfjord.
Es stellten sich dann auch die ersten Bisse ein.
Wir landeten auch einige gute Seelachse ( genaue Anzahl habe ich nicht
mehr im Kopf ). Der größte brachte 8 kg auf die Waage. Von Muti gefangen.
Nächster Morgen : Blick aus dem Fenster, jawoll, Bombenwetter, Sonne pur
wenig Wind.
Dieser Tag sollte den Höhepunkt unserer Reise bringen, wenn auch nicht aus
anglerischer Sicht. Aber ich will nicht vorgreifen.
Das Tier schlief natürlich noch wie Murmel, sodaß ich, was blieb mir auch
anderes übrig, für Frühstück sorgen mußte.
Für warmes Abendessen übrigens auch, doch das nur am Rande erwähnt.
Irgentwann ging´s dann zum Angeln.
Volle Fahrt zum Romsdalfjord.
Hier waren bestimmt tausend Boote, na gut vielleicht nicht ganz.
Und es ging gar nix.
Kein Fisch, kein Biss, kein gar nix.
Die Boote verpieselten sich nach und nach.
Wir kurbelten munter weiter, doch es tat sich rein garnix.
Mutant sagte plötzlich: " Guck mal da ganz hinten, Schweinswale !"
Ich spähte in die Richtung, und tatsächlich, da waren Wale.
Doch auf die große Entfernung, können wir doch niemals Schweins-
wale ausmachen.
Also Fernglas raus und ..... tatsächlich Wale, aber Riesendinger, nie-
mals Schweinswale, auch wenn sie schwarz sind.
Sowas hab ich hier noch nie gesehen.
Motor an und mit Vollgas näher hin.
Mir verschlugs die Sprache, Muti vergaß den Mund zuzumachen.
Aber seht selbst.
War nicht so einfach die Tiere zu fotografieren.
Ich hab meine Cam auf Automatik gestellt und geknippst was der
Finger her gab.
Das waren die besten Bilder. Ein bißchen was kann man ja auch erkennen
Die Burschen stellten sich dann als diese heraus.
http://www.world-of-animals.de/Tierlexikon/Tierart_Grindwal.html
Sie schwammen in mehren Gruppen.
Manchmal nur 3 oder 4 Stück, eine Gruppe bestand bestimmt aus 30 Walen
ganz unterschiedlicher Größe.
Einige von den Walen waren gut und gerne 6 bis 7m lang.
Muß hier wohl tatsächlich was besonderes sein, stand nämlich am nächsten
Tag groß in der örtlichen Zeitung.
Ach so, @ gunnar : Warst du das, der da mit seiner Bootsbesatzung ebenfalls
ordentlich Whale-Watching betrieben hat ???
Nach diesem Erlebnis hatte ich kein Bock mehr auf Angeln, war ja eh nix los.
Ich ließ mich am Hafen absetzen und machte Brotzeit.
Mutant angelte derweil noch ein wenig im Flachwasser in der Nähe der Anlage.
Er fing dann wohl auch zwei kleine Dorsche, die aber weiter wachsen dürfen.
Ich griff dann auch bald wieder mit an. Aber auch im Langfjord ging ersma nix.
Keine Seelachse.
Auch im Flachen in der Bucht hinter Holmsholmen war nix zu holen.
An den Kanten am Fjordrand dann auf Polack probiert.
Mit meiner speziellen Gufi-Schleppmontage habe ich immerhin einen schön
gefärbten Knurrhahn gefangen.
Ich mag diese kleinen, agressiven Gesellen. Daher hab ich ihn auch schonend
zurückgesetzt.
So jetzt haben wir noch etwa eine Stunde Tageslicht und dann ist Schacht im
Schicht oder wie datt heißt.
Dann nochmal auf Seelachs versuchen.
Tja, und tatsächlich konnte jeder von uns noch einen von 80cm rauszerren.
Spät aber dennoch.
Nächster Morgen : Wetter ? Schön wie eine Bombe
Es war erst 7 Uhr.
Ich machte Frühstück und holte Muti aus den Federn.
Wir wollten früh los.
Allerdings nicht zum Angeln sondern ersma nach Åndalsnes.
Hatte glaub ich gar nicht erwähnt, daß beim zu Wasserlassen des Bootes
eine Strebe an unserer schönen neuen Sliphilfe an unseren Trailer ge-
brochen war. Hatte ich im Frühjahr erst schön zurecht gedengelt.
Nich das jetzt einer meint, Benno´s Schweißnähte halten nicht.
Die Belastung war einfach nur zu groß.
Nun denn, wir wollten das hier gleich schweißen lassen, da man
ohne Boot auf´m Trailer, da besser rankommt.
Nach kurzer Suche fanden wir auch jemanden, der das für schmales
Geld erledigte.
Da wir grade hier waren, wurde auch gleich Boots-Sprit gefaßt und
ein wenig eingekauft.
Um 10 Uhr waren wir dann auf dem Wasser.
Das Wetter war einfach zu gut. Die Sonne knallte, strahblauer Himmel
und spiegelglatte See.
Auch strebte das Wasser seinen tiefsten Stand entgegen.
Somit keine guten Voraussetzungen für´s Großseelachs-Angeln.
Und es ging wie erwartet auch nix.
Also in flachen Gefilden an unterschiedlichen Stellen versucht und
nur hin und wieder Kleinkram gelandet.
Einzig ein von mir gefangener 85er Leng fand den Weg in die Fischkiste.
So gingen die Stunden dahin und gegen 18 Uhr bei jetzt auflaufenden
Wasser wurde beschlossen die restlich 2,5 Stunden Tageslicht zum
Seelachs-Kurbeln im Langfjord noch zu nutzen.
Wir konnten noch sieben Seelachse zwischen 10 und 12 Pfund er-
beuten.
Am nächsten Morgen ohne viel federlesen bei Tagesanbruch (etwa 6 Uhr)
hin zum Langfjord.
Bei auflaufenden Wasser muß doch was gehn.
Ach ja das Wetter : ach was ihr dürft mal raten.
Kleinen Tip, damit´s nicht zu schwierig für euch wird, geb ich : Stichwort Bombe.
Beim dritten Hochkurbeln, sang meine Bremse ihr Lied.
Seelachs von 80cm.
Etwas später meldete sich auch Muti´s Bremse.
Seelachs von 80cm.
Scheint heuer hier irgentwie das Standart-Maß zu sein.
Noch einige ganz vorsichtige Bisse und Aussteiger, dann wie abgeschnitten.
Wahrscheinlich schon wieder Wasserstand zu tief.
Somit ab zum Frühstücken und Siestamachen.
Nachmittags zum auflaufenden Wasser immer noch Sonnenschein, aber
mächtig Wind.
Für´s Bootsfahren kein großes Problem, aber zum Angeln einfach zu viel Drift.
Somit Feierabend und ein wenig Hüttenzauber.
Der nächste Tag begann wie gehabt. Zum Wetter brauch ich ja wohl nix mehr
sagen.
War also eigentlich alles wie immer, doch dieser Tag sollte sich zum Bittersten,
den ich je in Norge verbracht habe, wandeln.
Es war immer noch windig ( die berüchtigten Fallwinde am Romsdalfjord ).
Also suchten wir uns im Langfjord Stellen, die halbwegs ruhig waren. Die
Driftrichtung war schlecht. Von einem Ufer zum anderen. Kann man nicht ändern.
Es bissen keine Seelachse. Mutantenjäger verlor die Lust am Kurbeln und
wollte ins flache Wasser. Ich wollte weiter auf Seelachse kurbeln.
Seine Unlust machte mich ärgerlich.
Ich fuhr dann ins flache Wasser und er angelte schön vor sich hin.
Ich hingegen stellte das Angeln ein und machte es mir im Boot bequem.
Das versetzte ihn wohl in Rage, auch weil ich uns einfach ins Tiefe trieben
ließ und das Boot nicht umsetzte.
Jetzt gab ein Wort das andere und das Ende vom Lied war das ich keinen
Bock mehr hatte mit ihm in einem Boot zu sitzen und in den Hafen fuhr und
ausstieg.
Soll er doch seinen Scheixx alleine machen.
Wir haben uns erst am Abend wiedergesehen, haben aber kein Wort mitein-
ander gesprochen und sind uns so gut es ging aus dem Wege gegangen.
Hab mir aus Frust noch ein paar Biere reingeballert und bin dann pennen
gegangen.
Hab schlecht geschlafen. Wurde ständig wach und mußte über die miese
Situation nachdenken. Hatte wirklich mächtig Angst, daß unsere Freund-
schaft wegen solch einen Scheixx in die Brüche geht.Noch dazu im gemeinsamen
Urlaub, vor allem in diesem Urlaub, der schon vor drei Jahren hätte stattfinden
sollen und immer wieder an irgentwas scheiterte. Wollte aber auch nicht
nachgeben. So sind wir Kerle nunmal.
Am nächsten Morgen machte jeder erst mal sein Ding.
Wetter war wieder so wie immer, was mir aber völlig Latte war.
Nach einiger Zeit wurden dann doch erste zarte Annäherungsversuche in
ruhiger und sachlicher Tonlage gestartet.
Es war schon bald 10 Uhr und Benzin hätten wir auch noch holen müssen,
Hochwasser war auch schon vorbei, daher beschlossen wir unsere Zelte hier
komplett abzubrechen und nach Hause zu fahren.
Mutantenjäger hatte auch Nachricht aus der Heimat bekommen, daß seine
kleine Tochter, ein ausgesprochenes Papa-Kind, Streß macht, da der heißgeliebte
Vati arg vermißt wird.
Also packten wir unseren Krempel, reinigten die Hütte und gegen 14 Uhr kam
Helge mit dem Trecker und wir holten das Boot aus dem Wasser.
Um 15 Uhr starteten wir die lange Heimreise und waren am Samstag um ein
Uhr wieder zurück am Bootsschuppen.
Die Heimreise verlief harmonisch und ich weiß, es ist wieder alles im Lot
zwischen uns.
Im nachhinein denke ich, die Krise war so unnötig wie unsinnig.
Na ja vielleicht muß auch mal ne Krise her, damit man den wahren Wert einer
echten Freundschaft erkennt.
Fazit zu der Reise, den unseeligen Tag laß ich mal aus :
Der Romsdalfjord scheint immer für eine Überraschung gut.
Nach Thunfischen, Moschus-Ochsen, Orcas, jetzt auch Grindwale.
Seelachs war reichlich im Fjord, wie das Echolot anzeigte.
Der Fisch war allerdings recht beißfaul. Warum auch immer.
Mit unserer Ausbeute können wir dennoch zu Frieden sein.
Und wär hätte gedacht, daß wir eine Woche lang im September im
T-Shirt angeln können.
Eines hat die Reise auf jeden Fall gezeigt : die These, daß nur wenn
Engel reisen super Wetter ist, wurde eindeutig widerlegt.
Man kann uns viel unterstellen, aber bestimmt nicht, daß wir Engel sind.
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Romsdalfjord im September 2008
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Noch ein paar Bilder
Insel Holmsholmen
Wenn man die sieht, ist der Groß-Seelachs nicht weit.
Oder sollte zumindest.
So, Ende und aus. -
Benno klasse Bericht und super Fotos:alletjute:
Dieses Jahr scheint das Jahr zu sein, wo man mal Wale sieht;)
Gefangen habt Ihr ja auch gut und in guten größen.
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Ich kann keine Bilder sehen???? Woran kann das liegen?
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Ich sehe auch nichts Benno, aber der Bericht ist schon mal gut...
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Jetzt müßten die Bilder eigentlich zu sehen sein !! ???
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Prima nun sind sie da!
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Schöner Bericht ,Klasse Fotos, In ein paar tagen giebts ein live bericht von uns auch von Herje .
Gruß
Timur
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Live Bericht hört sich immer gut an, wusste garnicht das bei Herije ein Internet Anschluss vorhanden ist.
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Angeltour mit "Ehestreit" und Walsafari - was will man mehr!
Müssen heute Abend mal tel. -
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